Magnesium: Wenn der Bedarf höher ist als die Zufuhr
Magnesium ist an mehr als 300 Stoffwechselreaktionen beteiligt. Es trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel, zur normalen Funktion von Nerven und Muskeln und zum Elektrolytgleichgewicht bei. Der Körper verfügt über keinen großen, rasch abrufbaren Vorrat, deshalb ist eine regelmäßige Zufuhr wichtig. Überschüssiges Magnesium wird entweder im Darm gar nicht erst aufgenommen (es kommt zu Durchfall) oder über die Nieren wieder ausgeschieden.
Mangel und Defizit: ein wichtiger Unterschied
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Mangel bedeutet, dass dem Körper zu wenig Magnesium zur Verfügung steht und der Wert in der Vollblutanalyse unterhalb des Referenzbereichs gesunder Menschen liegt. Ursachen können der Nährstoffgehalt der Lebensmittel, ein Aufnahmeproblem im Darm oder ein erhöhter Verbrauch in den Körperzellen sein.
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Defizit bedeutet, dass der Bedarf die Zufuhr übersteigt, zum Beispiel durch Medikamente, Erkrankungen oder erhöhte Verluste, die Laborwerte aber noch im Referenzbereich gesunder Menschen liegen. Die Werte gelten formal nur als erniedrigt.
Es ist nicht einfach, den Magnesiumstatus im Blut korrekt zu bestimmen. Einen guten Anhaltspunkt liefert eine Vollblutanalyse. Gemeinsam mit den Beschwerden und dem Befinden unserer Patientinnen und Patienten lässt sich damit gut beurteilen, ob eine zusätzliche Magnesiumzufuhr nötig ist. Wir beurteilen deshalb Laborwerte immer gemeinsam mit Beschwerden, Medikamenten und Risikofaktoren.
Wann der Bedarf erhöht sein kann
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Protonenpumpenhemmer: Eine Metaanalyse zeigte bei Einnahme ein deutlich erhöhtes Risiko für niedrige Magnesiumwerte, das mit der Dosis steigt. Vor allem bei einer Einnahme über mehr als ein Jahr kann es zu erniedrigten Magnesiumwerten kommen.
- Entwässernde Medikamente (Diuretika)
- Regelmäßiger Alkoholkonsum
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Diabetes mit erhöhten Blutzuckerwerten: Dabei geht vermehrt Magnesium über die Nieren verloren.
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Magen-Darm-Erkrankungen mit chronischem Durchfall oder Aufnahmestörungen
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Höheres Alter: Die Aufnahme im Darm kann nachlassen.
Der Bedarf ist also keine feste Zahl und sollte regelmäßig überprüft werden. Der Verlauf der Werte gibt dann Hinweise darauf, ob Magnesium zugeführt werden sollte.
Die richtige Ernährung ist wichtig, aber manchmal braucht es mehr
Magnesiumquellen sind Kürbiskerne, Mandeln, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, grünes Blattgemüse und magnesiumreiches Mineralwasser. Allerdings braucht eine Ernährungsumstellung Zeit und sollte kontrolliert werden. Außerdem kann Phytat in Getreide die Aufnahme mindern. Bei einem Defizit oder erhöhtem Bedarf ist eine Ergänzung sinnvoll.
Magnesium, Insulin und Blutzucker
Magnesium ist an der Wirkung von Insulin beteiligt. Insulin regelt gemeinsam mit anderen Hormonen unseren Zuckerstoffwechsel. In Beobachtungsstudien ging eine höhere Zufuhr mit einem geringeren Diabetesrisiko einher: rund 19 % weniger pro zusätzlichen 100 mg täglich. In Studien mit Ergänzung sank bei Diabetes vor allem der Nüchternblutzucker, und bei Risikopersonen zeigten sich teils Verbesserungen der Insulinempfindlichkeit (Insulinresistenz). Magnesium ersetzt keine Diabetesbehandlung. Menschen mit Diabetes sollten eine Ergänzung jedoch ärztlich abstimmen.
Blutdruck
Eine Metaanalyse fand bei regelmäßiger und hoher Einnahme über drei Monate eine leichte Blutdrucksenkung. Das ist vielleicht nur ein kleiner Beitrag, der Medikamente oder Lebensstilmaßnahmen nicht ersetzt, aber vorbeugend durchaus überlegenswert ist.
Muskelkrämpfe und Muskelarbeit
Viele Menschen nutzen Magnesium gegen Muskelkrämpfe. Gute Studien dafür gibt es zwar nicht, aber der klinische Alltag spricht dafür, es zu versuchen, denn Magnesium ist für die Muskelfunktion absolut notwendig.
1. Energie: Ohne Magnesium ist ATP nicht nutzbar
Der Energieträger ATP liegt in der Zelle fast immer als Komplex mit Magnesium vor. Erst in dieser Form wird er von den Enzymen verwertet. Das gilt für die Muskelkontraktion ebenso wie für die ATP-Bildung in den Mitochondrien. Ein einfaches Bild: Magnesium ist der Schlüssel, der die Energie im Muskel erst nutzbar macht.
2. Anspannen und Entspannen
Muskelarbeit besteht aus beidem, und beides braucht Energie. Calcium löst die Anspannung aus. Für die Entspannung muss Calcium wieder aus dem Zellinneren gepumpt werden, und das geschieht mit Hilfe von Magnesium-ATP. Außerdem konkurriert Magnesium mit Calcium um Bindungsstellen. Calcium gibt das Startsignal, Magnesium hilft beim Loslassen.
Nicht jeder Krampf ist aber ein Magnesiumproblem. Bei häufigen Krämpfen lohnt sich eine ärztliche Abklärung.
Ergänzung: Menge und Sicherheit
Höhere Dosen und Magnesiuminfusionen gehören in ärztliche Begleitung. Mehrere kleine Gaben werden besser aufgenommen und vertragen als eine große. Häufigste Nebenwirkung sind weiche Stühle oder Durchfall. Manche Menschen nutzen diese Wirkung bewusst zur Stuhlregulation. Bei manchen Antibiotika und Bisphosphonaten (Medikamente zur Steigerung der Knochendichte) ist ein zeitlicher Abstand zur Einnahme nötig.
Sprechen Sie vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.